Lufthansa Sportverein Hamburg e.V.

Sparte Tauchen

Höhlentauchen macht süchtig

Jeder von uns hat das schon einmal erlebt. Wenn wir ein gutes Restaurant kennen oder uns ein Film besonders gut gefallen hat, dann besuchen wir diesen Ort auch gerne ein 2.tes mal. Einfach deshalb, weil der erste Besuch uns in sehr guter Erinnerung geblieben ist.

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So auch in meinem Fall, allerdings lag mein Wunschort für einen zweiten Besuch „nur“ ca. 9.000 km entfernt. Aber auch das ist ja unseren „bewegten“ Zeiten kein wirkliches Problem mehr. Und so ergab es sich, dass ich mich, fast auf den Tag genau, wieder nach einem Jahr auf der Tauchbasis befand, die ich bereits im März 2015 besucht hatte (s. LSV-Journal 2-2015, S. 4). Wie zuvor auch, hat uns auch dieses Mal ein Kreuzfahrtschiff bis Cozumel/Mexiko gebracht. Von Cozumel aus ging es dann mit einer Fähre zum Festland und von dort aus brachte uns der örtliche Bus zur Tauchbasis in der Nähe von Tulum. Hier wurden wir von wirklich netten Betreuern empfangen und die ca. 50 köpfige Besuchergruppe wurde ich zwei Gruppen aufgeteilt: Gruppe 1 mit etwa 55 Schnorchlern und Gruppe 2 mit 5 Tauchern. Der Basisleiter Stefan hatte vorher bereits im Bus ein ausführliches Briefing für die Taucher durchgeführt, so dass er uns nun bestens informiert an seine Mitarbeiter übergeben konnte. Neben allgemeinen Informationen gibt es beim Höhlentauchen durchaus Besonderheiten, die im normalen deutschen Taucherleben so nicht zu finden sind. Um ein Beispiel zu geben: In den Höhlen wird nach der 1/3 Regel getaucht. Während wir in unseren heimischen Gewässern in aller Regel so tauchen, dass man bei 50 Bar wieder an seinem Ausgangspunkt ankommt und damit auch den Tauchgang beendet, wird für das Höhlentauchen ein anderer Maßstab angelegt. Da man in einer Höhle zwangläufig fast immer „ein Dach“ über dem Kopf hat, müssen strengere Sicherheitsregeln her. Und so wird das Flaschenvolumen von 210 Bar in drei Drittel aufgeteilt: 1/3 für den Hinweg, 1/3 für den Rückweg und das letzte Drittel ist die Reserve, aus Sicherheitsgründen. Dabei achtet unser Guide Dirk strengstens darauf, dass der Weg durch die Höhlen, zumindest für uns unerfahrene Höhlentaucher, immer so gelegt ist, dass es zum nächsten Ausgang nie weiter als 60 Meter ist. Wenn also doch mal eine Störung vorliegt, dann sollte die Reserve von knapp 70 Bar ausreichen, um sicher den nächstgelegen Ausgang zu erreichen. Und da man ja nie alleine taucht, gibt es auch noch die Möglichkeit, auf die Luftreserve von seinem Buddy zurückzugreifen. Natürlich gibt es noch weitere Regeln, speziell für das Tauchen in den Cenoten, aber aus Platzgründen können hier nicht alle Regeln aufgeführt werden.

Dermaßen gebrieft, geht es also dann voll „aufgerödelt“ zum Höhleneingang. Man muss noch gar nicht im Wasser sein, aber schon der Blick von oben auf dieses kristallklare, bläulich schimmernde Wasser, ist einfach schon ein Erlebnis für sich. Schnell sind wir alle im Wasser. Bevor wir aber starten, prüft unser Guide Dirk ob wir auch richtig austariert sind! Das bedeutet, man atmet an der Wasseroberfläche zunächst tief ein und dann sollte der Kopf noch halb aus dem Wasser schauen. Wenn man anschließend die restliche Luft voll ausatmet, dann sollte man langsam absinken. Durch entsprechende Zugabe oder Abnahme von Bleistücken, wird bei jedem von uns das gewünschte Ergebnis erreicht. Warum ist das so wichtig? Nun, das Wasser in der Höhle ist glasklar. Damit das so bleibt und alle nachfolgenden Taucher auch noch etwas von diesen klaren Sichtverhältnissen mitbekommen, ist es unbedingt zu vermeiden, die Flossen, wie bei einem normalen Kraulstil, zu bewegen. Diese Art der Fortbewegung würde unendlich viele Sedimente aufwirbeln und in kürzester Zeit wäre die schöne klare Sicht dahin. Stattdessen wird von den Teilnehmern erwartet, dass sie die Beine wie ein Frosch bewegen. Daher auch der Name für diese Art der Fortbewegung: Frog-Kick.

Und schon starten wir unseren Tauchgang. Unser Guide Dirk vorneweg, dann folgen in der Mitte die weniger erfahrenen Taucher und am Ende bilden die Taucher mit mehr Erfahrung den Abschluss unserer „Perlenkette“. Auch hier sei eine Abweichung zu den sonst üblichen Tauchgängen in unseren Breiten kurz erklärt. Während es für uns normal ist, im sogenannten Buddysystem zu tauchen, d.h. mein Partner taucht i.d.R. neben mir, geht es durch das Höhlensystem aufgrund der Platzverhältnisse oft nur hintereinander vorwärts. Und so langsam verlassen wir den lichtdurchfluteten Eingangsbereich

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… und nähern uns dem dunklen Höhlensystem.

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Um in der Dunkelheit zurechtzukommen, sind alle Taucher mit Lampen ausgerüstet. Ohne eine Lampe, geht hier keiner tauchen! Ganz einfach. Und noch eine Anweisung habe ich im Ohr, die man uns beim Briefing mitgegeben hat: die Lampe wird während des gesamten Tauchganges niemals ausgeschaltet. Unter keinen Umständen! Erlaubt ist es aber, mal kurz die Hand vor die Lampe zu halten, um vielleicht zu vermeiden, dass ein anderer Taucher geblendet wird. So dringen wir immer weiter in das Höhlensystem ein. Dabei ist es unvermeidbar, dass die Wege manchmal richtig eng werden und über dem eigenen Kopf nur Gestein statt Wasser ist.

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Wer also unter Platzangst leidet, der sollte lieber von solchen Tauchgängen absehen.
Wie man sich gut vorstellen kann, gleicht keine Höhle der anderen. Um dennoch die einzelnen Höhlen unterscheiden zu können, wurden jeweils charakteristische Namen vergeben. So sind wir z.B. gerade auf der „Barbie-Line“ unterwegs. Man soll es kaum glauben, auch Taucher mögen Spaß und so ist es zu erklären, dass vor einiger Zeit ein Guide die Idee hatte, eine Barbie-Puppe in das Maul eines Krokodils zu legen.

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Da wir alle, mal abgesehen von unserem Guide, dennoch Höhlenanfänger sind, ist auch unsere Tiefe in der wir unterwegs sind, eher moderat. Wir schaffen nicht mal die 10 Meter Marke. Von daher ist das für alle Teilnehmer eine machbare Aufgabe. Diese Tauchgänge für Touristen leben natürlich von den visuellen Eindrücken. Echte Höhlentauchgänge können aber auch gerne mal auf 80 Meter und mehr gehen, aber das ist dann natürlich etwas für Profis mit entsprechenden Zertifikaten.
Die Bilder, die ich hier mitgebracht habe, können nur bedingt das Gefühl widergeben, wenn man zunächst durch eine enge Spalte taucht um dann anschließend in eine neue Höhle zu wechseln, die von der Größe her mit einer Kathedrale zu vergleichen ist. Das ist ein unglaubliches Gefühl und ich glaube, das genau macht auch den Reiz des Höhlentauchens unter anderem aus.

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Die Natur hat hier etwas über Jahrmillionen geschaffen, was einem einfach nur den Atem raubt. Für einen Taucher ist das natürlich ein denkbar ungünstiger Zustand, aber es ist einfach traumhaft.

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Überall gibt es Stalagmiten und Stalaktiten. Und auch wenn unsere Lampen uns glauben lassen wollen, es sieht hier alles ganz fantastisch aus, so darf man doch nie vergessen, es ist hier unten stockdunkel! Kein Tageslicht ist hier seit Jahrzehnten eingedrungen, außer wir Menschen, mit unseren Lampen. Und so finden wir auf unserem Tauchgang auch die Spuren längst vergangener Tage. Gemeint sind Versteinerungen, die immer mal wieder im Schein der Taschenlampe zu finden sind.

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Neben eingeschlossenen Tieren, die vor langer Zeit gelebt haben, formt die Natur bisweilen auch Gebilde, die uns bekannt vorkommen mögen, so z.B. die „wiegende Madonna“ (Madonna 1.jpg).

Nach rund 60 Minuten ist dann leider auch unser Tauchgang vorbei. Was bleibt, sind unvergessliche Eindrücke, aus einer Welt, die sonst nur im Verborgenen zu finden ist.

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Saludos Kai
© Für Text & Bilder: Kai-Ingmar Weikert

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4 / 2018

 
   
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